Schwyzer Heimatschutz besucht die Bibliothek Werner Oechslin

Am 2. November 2025 besuchte eine grosse Anzahl an Interessierten, Mitgliedern und Gästen des Schwyzer Heimatschutzes die Bibliothek Werner Oechslin in Einsiedeln. Sie hörten Referate zur Siedlungsentwicklung von Einsiedeln und zum Einsiedler Künstler und Zeichner Laurenz Landenberger (1868-1937), dessen Skizzen und Werk in den Vitrinen der Bibliothek ausgestellt sind. Anschliessend erhielten die Teilnehmenden einen umfassenden Einblick in die private Sammlung.

Vorgesehen war ein kurzer Quartierrundgang, der dann aber infolge der schlechten Witterung abgesagt, resp. als erster Teil eines Vortrages von Prof. Dr. Werner Oechslin und Dr. Anja Buschow Oechslin in den wunderbaren Innenraum der Bibliothek, welche von Mario Botta geplant wurde, verlegt werden musste.

Johann Wolfgang Goethe spazierte an der Bibliothek auf dem Jakobsweg vorbei

Nicht minder interessant und anschaulich erläuterte Werner Oechslin die Siedlungsentwicklung in Einsiedeln und im Quartier der Schwanenstrasse und Luegetenstrasse, durch welches früher noch der offene Dorfbach floss und Johann Wolfgang Goethe schon auf dem Jakobsweg in Richtung Haggenegg wanderte. Es wurde eindrücklich erläutert, wie dieses charakteristische Quartier entstand, welche Körnung ein solcher Siedlungsbereich aufwies und wie damals sehr präzise die Baukörper gegliedert und gestaltet wurden. Die ortsüblichen Materialien – Holz und Stein - wurden bewusst und ortsbezogen eingesetzt, strassenzugewandte Fassaden wurden als solche ausgebildet. Die Häuser hatten früher in den Hinterhöfen grosse Gärten, welche zur Selbstversorgung bepflanzt wurden. Der rot gefärbte Dorfbach erzählte davon, dass im Kloster oberhalb der Siedlung geschlachtet wurde. In einem solchen Quartier mit Gewerbe wurde gelebt und es war ein intaktes Gefüge. Werner Oechslin machte die Zuhörer aufmerksam, wie unproportionale Neubauten ein solches bestehendes Siedlungsgefüge allmählich zerstören und die vorhandenen Qualitäten dauerhaft zerstören. Im Erdgeschoss sind dann oftmals nichtmehr Quartierläden vorhanden, sondern Garagentore. Ganz langsam verschwindet in diesem oftmals schleichenden Prozess die Identität eines Dorfquartiers und all das Wissen über das alltägliche Leben früherer Generationen.

Exkurs zum Einsiedler Künstler und Zeichner Laurenz Landenberger (1668-1937)

Werner Oechslin hielt danach einen kurzen Exkurs über das Werk des Einsiedler Künstler und Zeichner Laurenz Landenberger (1868-1937), dessen Skizzen und Werk in den Vitrinen der Bibliothek ausgestellt sind. Eindrücklich ist Landenbergs Plan von Einsiedeln, der kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstand und das Dorf auf einer sich gedachten Luftaufnahme zeigt, welches damals vermehrt städtische Formen annahm. Es wird dort klar ersichtlich, dass durch den Einzug der Eisenbahn und der damit verbundenen Pilgerströme die Hauptstrasse als Verbindung zwischen Bahnhof und Kloster an Bedeutung gewann und wie Ende des 19. Jahrhunderts Einsiedeln in Form des Benziger Plans seine erste und letzte städtebauliche Planung erhielt.

Führung durch die Bibliothek und Sichtung sehr alter, originaler Schriften

Im zweiten Teil des sehr spannenden Referates widmete sich der Gastgeber der Bibliothek, welche 2006 eröffnet wurde. Werner Oechslin versuchte den Anwesenden aufzuzeigen, welche überaus grosse Bedeutung eine vertiefte, wissenschaftlich fundierte Forschungsarbeit hat. In einer solchen Arbeitsweise wird nicht einfach abgeschrieben, sondern es wird an der Quelle der ursprünglichen, schriftlichen Texte geforscht. Die Bibliothek Werner Oechslin beherbergt einen unendlich reichen Fundus an historisch sehr wichtigen und seltenen Buchexemplaren, welche bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurück reichen. Bei der Anlegung der überaus umfangreichen Sammlung wurde Wert daraufgelegt, dass es sich um originale Schriftquellen handelt. Auch die Herkunft der Werke in der Sammlung ist geklärt, da das Thema der Provenienz – bezeichnet als Provenienzforschung – heute überaus aktuell ist. Die Teilnehmenden erhielten einen umfassenden Einblick in die private Sammlung, welche sich über den grossen Lesesaal im Neubau erstreckt und im Untergeschoss über den kreisrunden Raum mit einer Kopie der Hammurabi Stele eindrücklich mit dem Altbau, dem Haus Luegeten, verbunden ist.

Die Zukunft der einzigartigen Bibliothek gilt es zu sichern

Es bleibt nun weiterhin zu hoffen, dass sich für die Zukunft eine gute Lösung finden lässt, um dieses einmalige und hochrangige Kulturgut zu retten und sich dadurch auch weiteren Interessierten und Forschenden erschliessen lässt. Die Bibliothek setzt auch ein Zeichen gegen das Vergessen in der heute sich nur allzu schnell verändernden Welt. Isabelle Schwander verdankte die Führung mit einem Geschenk und all die gewonnen Erkenntnisse und bleibenden Eindrücke konnten bei einem reichhaltigen Apéro im Foyer der Bibliothek besprochen und ausgetauscht werden.

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Schwyzer Heimatschutz
RA, lic.iur. Isabelle Schwander, Präsidentin
T 078 611 58 44